Angedacht am 21. Februar

Joh 13
21 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
22 Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.
23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb.
24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete.
25 Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist's?
26 Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
27 Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
28 Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte.
29 Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte.
30 Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Liebe Lesende,
der Freund, der zum Feind wird.
Einer, der alles wagt und nichts gewinnt.
Judas hat was!
Er ist aber ansonsten nicht sehr beliebt.
Wer will schon einen Verräter kennenlernen.
Aber er hat immerhin dazugehört,
zu den engsten Freunden, die Jesus sich ausgesucht hat,
er war mittendrin statt nur dabei,
er hatte das Geld zu verwalten
und konnte den Mund nicht halten.
War heute begeistert und fasziniert
und morgen beleidigt und frustriert.
Und von einem Messias, einem Heilsbringer,
einem Erlöser, einem Retter
hatte er eine genaue Vorstellung,
was der machen sollte und machen müsste
und zwar ein bisschen plötzlich,
nämlich auf den Putz hauen,
die römische Besatzung rauswerfen,
die Freiheit erkämpfen,
Recht und Gerechtigkeit,
nicht erst im Himmel.

Stattdessen,
hört er diese betörende Nachsichtigkeits-Linie,
von Jesus, seinem Meister,
dieses unerhörte rechte Backe, linke Backe...
Alles nichts für einen politischen Eiferer wie Judas.
Der tut was!
Und wenn es das Falsche ist
mitten in der Nacht.
Der setzt alles auf eine Karte.
Kuss und Schluss
für dreißig Silberlinge.
Nur um es auf die Spitze zu treiben
und diesen Jesus endlich zum Durchgreifen zu bewegen.
Judas kann einfach nicht mehr ertragen,
dieses Elend in der Welt,
dass das Schwache immer verliert,
während das Recht und die Gerechtigkeit
aufs Kreuz gelegt wird.
Einen wie Judas juckt das,
und so wirft er am Ende alles weg:
das Kopfgeld und das Leben,
geht in die Passionsgeschichte ein
als der große Verräter,
nach dem man keine Kirche benennt,
und der mir doch ganz und gar nicht fremd.

Denn seinen Verrat
gibt es auch heute, das reißt nicht ab,
Verrat an den Schwächsten,
die Jesus lagen am Herzen.
Mehr als nur 30 Silberlinge nehmen heute ihren Lauf,
es wird spekuliert an den Börsen,
auf Teufel komm raus,
auf das, was jeder braucht
und doch nicht jeder bekommt.
Not in Hütten, Zelten und in den Slums.
An jedem Abend höre ich die Börsendaten,
die Anzahl der Hungertoten höre ich nicht.
Vor dem Dax duckt sich alles.
Es wird mit dem Judaskuss geküsst.
Und, na klar, nicht nur von denen da,
den anderen,
auch von mir!
Ich frage Jesus wie damals am Tisch:
"Wer ist's, bin ich´s?"
Ja, ich nehm' mich nicht aus.
Ich kenn den Verrat,
und das nicht zu knapp:
Im entscheidenden Moment
peinlich geschwiegen, statt zu bekennen,
sich vor diesen Menschen zu stellen.
Vielgesichtirg ist der Verrat,
und Judas mein Begleiter;
sogar mein Vertrauter?
Das könnte mir dann auch das Leben kosten,
das sinnerfüllte, gelingende, geschwisterliche.
Und trotzdem teilt Jesus das Brot mit mir,
nimmt mich mit Schuld behaftet,
und löst sie mir.
Und dann sagt er:
"Komm in deiner Nacht,
teil mit mir
und mit einem von diesen meinen Geringsten,
denn, was du ihm getan,
das hast du mir getan.
Du kannst auch anders,
ich bin bei dir."

Pastor Günther Suckow