Konzert mit Gesang und Harfe in der Giekauer Kirche

Sabine Loredo Silva – Gesang und Jessica Breitlow – Harfe präsentieren Jüdische-Christliche-Maurische Lebenswelten mit Cantigas, Sefardischen Liedern der Spanischen Renaissance.

Die jüdische mündlich überlieferte Musik hat ihre Wurzeln im frühen Mittelalter. Die sefardische Musik – von dem hebräischen Wort „S'fard- Spanien“, ist die Musik der Juden, die nach der Verbannung aus Judäa (70 n. C.) nach Spanien flüchteten. Sie spiegelt den kulturellen Austausch zwischen Juden, Christen und Arabern wider, die in Spanien Kunst und Wissenschaft zur Blüte brachte. Sie wurde von Cancioneros an Fürstenhöfen vorgetragen, auch in Begleitung von Harfen, Lauten, Flöten und Trommeln. Es gibt Balladen, Unterhaltungslieder, Romanzen sowie geistliche und liturgische Gesänge. Die Lieder wurden aber auch von Frauen während ihrer Hausarbeit a Capella gesungen. Es gibt Musik zu verschiedenen Anlässen wie Hochzeiten, Geburten, Beschneidungen, Trauerfeiern sowie zu jüdischen Feiertagen. Die Sprache dieser Lieder ist das „Ladino“ oder auch „Judeo-Espagnol“ genannt, eine Sprache, die sich aus dem Alt-Spanischen und dem Hebräischen zusammensetzt. sie steht in ähnlicher Beziehung wie das Jiddische zum Deutschen.

Ich habe in den letzten Jahren intensiv nach sephardischer Literatur geforscht und so finden sich in den Liedern vielfach Einflüsse der griechischen, bulgarischen, rumänischen, türkischen und arabischen Kultur. 1492 begann die sogenannte „Diáspora – die Verbannung“ der Juden und Mauren auf der iberischen Halbinsel. Die katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon eroberten Spanien und es wurde wieder christlich. Mit auf ihrem Weg nahmen die Sefarden ihre von spanischen und arabischen Elementen durchsetzte Musik, ihre Sprache, viele Geschichten, Balladen und Romanzen, die in der Tradition der Sefarden weiterlebten, während sie in der alten Heimat Spanien längst vergessen waren.

„Cantigas de Santa Maria“-Lieder für die heilige Jungfrau Maria sind eine der größten Sammlungen von Liedern des Mittelalters, bestehend aus ca. 420 Gedichten, zumeist in Galicisch-Portugiesischer Sprache. Diese Lieder werden dem König von León und Kastilien Alfons X zugeschrieben. Er sah in dieser Sammlung ein kulturelles Projekt von großer Bedeutung. Ihre Vollendung nahm den Großteil seiner Amtszeit in Anspruch (1252-1284). Er sah sie als ein wichtiges Mittel zu seinem politischen Überleben und seinem persönlichen Seelenheil.

Auch die nachfolgende Epoche der „spanischen Renaissance
im 15. und 16. Jahrhundert“ ist stark beeinflusst von der maurisch-jüdischen Kultur. Die beiden Könige förderten eine weltliche, höfische Kultur und schöpften aus dem Volksliedgut dieser beiden Kulturen.

Das Konzert mit Gesang und Harfe findet am Sonnabend, dem 3. August 2024 um 19.30 Uhr in der St. Johannes-Kirche zu Gieku statt. Der Eintritt ist frei, eine Kollekte wird am Ausgang gesammelt.