Osterfest

Ostern heißt:
die Auferstehung feiern. –
Es ist -wie ich finde-
unser schönstes Fest!
Aber Ostern – in diesem Jahr? 
Kommt uns das „Halleluja“
da leicht über die Lippen?
Mit den Schrecken des Krieges,
dem Leid so vieler vor Augen,
mit der Pandemie im Nacken? –
Dem, was uns da zu Boden drücken will,
all dem zum Trotz singen: „Halleluja! – Wir loben Dich, Gott!“ –
Wieder einstimmen in die großen Werke,
in Händels „Messias“!
Mit ihm diesem Wandel vom Tod zum Leben auf die Spur kommen.
Endlich jubeln dürfen, zumindest am Ostermorgen?!
„Seht auf, Gott will das Leben!“ --

Aber vielleicht fiel es uns ja auch vorher
nicht leicht –
das mit dem Grab, der Auferstehung,
Ostern und Co.?
Schon der Kirchenvater Tertullian stellte für sich fest:
„Es ist schwieriger, an die Auferstehung zu glauben als einen Gott“.
Und auch der große Augustinus sich einfach verdrücken wollen
als er die Osterpredigt hatte halten sollen. 
Selbst die Jünger Jesu taten sich mit Ostern schwer! –
Wie war es als sie davon hörten?
Als die Frauen am Ostermorgen aufgeregt davon erzählten? –
Da hielten die Jünger es
zunächst einmal für nicht mehr als
Geschwätz, ein leeres Geschwätz, nicht mehr.
„Auferstehung? – Geh mi aff." 
 
Kurt Marti hat dazu ein Gedicht geschrieben.
Bei ihm lese ich Unerhörtes:
„glücklich ihr atheisten!
Ihr habt es leichter
Euch wirbelt kein gott
Aus der bahn des schlüssigen denkens
Kein glaube wirft schatten
Auf eure taghelle logik
Nie stolpert ihr
Über bizarre widersprüche
Kein jenseits vernebelt euch
Die konturen der welt
Nie seid ihr berauscht
Von heiligen hymnen und riten
Nie schreit ihr vergeblich nach einem göttlichen wunder...
Glücklich ihr atheisten!
Gern wäre ich einer von euch...“
 
Aber Kurt Marti hat natürlich noch eine Überraschung auf Lager.
Schließlich ist heute Ostern und daraus leben wir.
Sein Gedicht endet mit einer Zeile,
die ich bisher unterschlagen habe, die lautet so:
„glücklich ihr atheisten!“ schreibt er und:
„Gern wäre ich einer von euch
jedoch jedoch: ich kann nicht“.
In diesen letzten 5 Worten –
in den doppelten, nachdenklichen „Jedoch
und in dem lapidaren „ich kann nicht
steckt alles, was wir heute feiern –
das „Trotzdem“ unserer Auferstehungshoffnung,
der Osterglaube.
 
Leid und Tod haben nicht das letzte Wort,
 
Krieg und Gewalt stehen nicht am Ende.
 
Ich kann nicht anders,
 
weil eine Spur der Auferstehung in mir selbst geschieht.
Ich kann nicht anders,
als Auferstehung zu hoffen für die geschundene Menschheit
und alle Kreatur.
Ostern?
Ein anspruchsvolles Fest, ja,
und die Versuchung, die Kurt Marti ausspricht, kenn ich:
„Glücklich ihr Atheisten! – Für Euch scheint alles so einfach und klar“.
Aber die letzten 5 Worte seines Gedichts sind mein Trost;
weil Ostern mir kein Sterbenswörtchen und keine Ruhe lässt.
Gott sei Dank! Ich kann nicht anders!
Ostern geschieht in uns und mit uns, an uns –
oder es geschieht nicht.
 
Ostern ist unser schönstes Fest.
Amen.